Sabine: Also – dann fange ich mal an, Nathalie. Okay?

Nathalie: Okay.

Sabine: Ich heiße Sabine Karbowy, bin 56 Jahre alt und lebe seit elf Jahren in Niedernhausen. Ich bin selbstständig im Bereich Kommunikation – also ich konzipiere und erstelle Strukturen und Texte für Broschüren, Websites etc. – und bin mit meinem Büro vor gut drei Jahren nach Niedernhausen gezogen.

Nathalie: Dein Büro ist wirklich schön. Ja, also: ich bin Nathalie Ickstadt, 20 Jahre alt und wohne in einem Ortsteil von Idstein. Ich habe 2015 mein Abitur gemacht und eine Ausbildung als Sozialversicherungsfachangestellte begonnen.

Sabine: Das klingt so, als würden wir beide ein paar ganz gute Voraussetzungen für ein Fluchtpunkt-Engagement mitbringen.

Nathalie: In der Tat. Was machst du genau beim Fluchtpunkt Niedernhausen?

„Für mich ist es wichtig, dass sich Beruf und Ehrenamt verbinden lassen.“

Sabine: Für mich ist wichtig, dass sich Beruf und Ehrenamt verbinden lassen. Daher engagiere ich mich in Sachen Website. Durch das Protokollschreiben bei den Koordinierungs-Treffen habe ich viel gelernt und erfahren, was ich dann zum Aufbau der Website nutzen konnte.

Nathalie: Sehr praktisch – und dazu kommt, dass bestimmt keiner traurig ist, wenn du das Protokollschreiben übernimmst …

Sabine (lacht): Nein – das Gedränge um diesen Job ist recht überschaubar.

Nathalie: Und jetzt – nach der Fertigstellung – pflegst du die Seite?

„Neue Termine und aktuelle Nachrichten werden auf der Website eingepflegt.“

Sabine: Ja. Wir können jetzt – zum Beispiel auch gemeinsam mit dir – darüber nachdenken, wie man die Website sinnvoll erweitern kann. Und gepflegt werden muss sie auch – mit neuen Terminen und aktuellen Nachrichten.

Nathalie: Die Website ist wirklich sehr schön geworden. Das hat bestimmt viel Arbeit und Zeit gekostet, aber umso mehr Spaß macht es nun, immer wieder neue Sachen mit einzubringen.

Sabine: Richtig. Aber was machst du beim Fluchtpunkt Niedernhausen?

Nathalie: Ich habe im Juni 2016 angefangen, mit einer weiteren Lehrerin Deutschunterricht in der Lochmühle zu geben. Als ich dann gemerkt habe, dass man immer wieder vor neuen Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit steht und einfach zu wenig helfende Hände da sind, kam ich zusammen mit Tanja Cibulski und einem Flüchtling aus Afghanistan, Jamshid Amarkhil, auf die Idee, eine Facebook-Gruppe zu gründen.

Sabine: Das ist klasse! „Facebook-Gruppe“ heißt aber, dass das ein geschlossener Kreis ist, nicht wahr? Da kann nicht jeder rein.

„Wir kennen alle Mitglieder der Facebook-Gruppe persönlich.“

Nathalie: Richtig – die Facebook-Gruppe dient vor allem den Austausch interner Informationen zwischen allen haupt- und ehrenamtlich Tätigen, als auch dem Austausch mit den Geflüchteten. Und daher kennen wir alle Mitglieder der Facebook-Gruppe persönlich. Um allerdings noch mehr Leute für unsere Arbeit zu begeistern, haben wir auch eine öffentliche Facebook-Seite erstellt, die immer aktuell über unser Engagement und unsere Erfolge berichtet.

Sabine: Und hier kann jeder schauen und „liken“ und kommentieren.

Nathalie: Genau.

Sabine: Das ist eine ganze Menge Arbeit, die ihr da in die Facebook-Geschichte steckt, klasse!

Nathalie: Aber wir haben ja auch ein Ziel!

Sabine: Stimmt! Und darüber sind wir beide uns ja auch sehr einig, nicht wahr? Aufklärung ist immens wichtig. Immer wieder erklären, was bei uns in der Gemeinde in Sachen Flüchtlingsarbeit passiert, Menschen einander näherbringen – und sei es auch zunächst über die digitalen Medien wie Facebook und Website.

„Man muss einfach mit den Leuten sprechen.“

Nathalie: Ja – wir wollen Aufmerksamkeit erregen, die in Neugier umschlägt und dann – das wäre super! – in ehrenamtliches Handeln übergeht. Wenn wir das mit unserem Engagement schaffen würden, dass der Fluchtpunkt blüht, wächst und gedeiht – das würde mir sehr gefallen.

Sabine: Da kann ich dir nur zustimmen.

Nathalie: Man muss einfach mit den Leuten sprechen, um ihnen die Unsicherheit zu nehmen. Außerdem lernen wir, als Helfer des Fluchtpunkt Niedernhausen selbst sehr viel dazu. Aber darüber reden wir ja später nochmal, oder?

Sabine: Ja, genau. Nachdem wir jetzt gesagt haben, was wir machen, sollten wir noch darauf hinweisen, was die Menschen grundsätzlich machen können.

„Viele Angebote, wie man sich engagieren kann, findet man auf unserer Website.“

Nathalie: Ja, da gibt es wirklich ganz viel. Und viele Angebote, wie man sich engagieren kann, findet man auch auf unserer Website – unter Engagement.

Sabine: Manchmal muss man auch ein bisschen suchen. Eine Zeitlang habe ich mich bei der Hausaufgabenhilfe engagiert. Aber ich habe festgestellt, dass diese Aufgabe nicht das Richtige für mich ist. Ich bin eher so der Kopftyp, nicht so verspielt – und die Kinder, die zur Hausaufgabenhilfe kommen, brauchen eher so den mütterlichen Typ. Das bin ich halt nicht so.

Nathalie: Ja, das stimmt, man muss einfach für sich etwas raussuchen, was man gut kann und die anderen daran teilhaben lassen.

„Der direkte Kontakt über Treffen oder auch WhatsApp ist einfach klasse!“

Sabine: Genau. Und direkten Kontakt zu den Flüchtlingen über Treffen und WhatsApp zu haben, ist zum Beispiel klasse! Man kann sich austauschen, wann immer gerade Zeit ist – und mittlerweile versuche ich auch, Zeit für gemeinsame Aktivitäten zu finden. Das ist alles noch recht zaghaft … aber es wird.

Nathalie: Stimmt – Jam, mit dem ich die Facebook-Gruppe pflege – hat mir schon ganz stolz erzählt, dass er bald ins Haus der Geschichte nach Bonn mit dir und deinem Mann fährt. Eine klasse Idee. Vielleicht könnte man das mal als größeres Projekt starten. Alle die, die Interesse haben, können mitkommen. Soweit ich weiß, ist der Eintritt ja auch kostenlos.

Sabine: Richtig! Da könnten wir mal einen schönen Fluchtpunkt Niedernhausen-Ausflug machen. Fehlt uns nur noch ein Busunternehmer, der unseren Ausflug ein wenig finanziell unterstützt …

„Geduld haben!“

Nathalie: Ich bin mal sehr gespannt, wie das auf die Flüchtlinge wirkt. Die deutsche Geschichte. Ach ja, was mir noch sehr wichtig ist und ich allen nur raten kann: Geduld zu haben!

Sabine: In der Tat! Vor allem auch mit sich selbst. Hier mal reinschnuppern, da mal zuschauen und vielleicht auch einfach mit „erfahrenen“ Ehrenamtlichen einfach mal mitlaufen. Du weißt ja, Nathalie – die berühmten Berührungsängste abbauen.

Nathalie: Du sagst es, Sabine. Ich war mir am Anfang auch etwas unsicher und wusste nicht, was auf mich zukommt. Aber das ist doch bei allem so. Letztendlich muss man die Unsicherheit einfach überwinden und auf die Menschen zugehen, dann klappt das schon.

Sabine: Ein schönes Schlusswort. Treffen wir uns in Kürze wieder zu einem „Fluchtpunkt-Gespräch“? Ich hätte da noch ein paar Fragen …

Nathalie: Auf jeden Fall!

Weitere Gespräche

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